Für Bea und Benno (v. l. n. r.) gab es erst einmal Leckerlies zur Beruhigung von den Bärenpflegern.
Für Bea und Benno (v. l. n. r.) gab es erst einmal Leckerlies zur Beruhigung von den Bärenpflegern. TZ/Lehmann

Bea und Benno haben Ställe bezogen

Torgau (TZ/ej). So langsam legt sich die Aufregung wieder, sowohl bei den Bären als auch den beiden langjährigen Pflegerinnen Gabriele Mierau und Angela Mierau-Fausack. Bereits am Dienstag reisten sie ins nordrhein-westfälische Gangelt in den dortigen Wildpark, nur wenige Meter vor der holländischen Grenze, um die beiden neuen Bären Bea und Benno für Torgau persönlich zu holen.

Gestern morgen gegen 7.30 Uhr war es dann geschafft, die Petze in ihren Ställen und die Pflegerinnen bei einer Tasse Kaffee in ihrem Arbeitsraum. Hier ließen sie gemeinsam mit der Torgauer Zeitung die vergangenen 48 Stunden Revue passieren. Müde sahen sie aus, aber glücklich.

Per Rüstwagen „eingeflogen“

Und auch Bea und Benno waren geschafft. Während die Dame bereits schlief, kam auch der Herr so langsam zur Ruhe. Die Anspannung fiel auch von den Bärenpflegerinnen ab. Der Transport war gelungen. Im Vorfeld hatte es konkrete Absprachen mit den Kameraden der Torgauer Feuerwehr gegeben, die pünktlich bereit standen, um die Boxen mit den Bären mittels Rüstwagen in den Graben, direkt vor die Eingänge zur den Ställen zu heben. Es ging alles recht schnell. Am Ende waren alle zufrieden, denn Torgau kann seine Bärentradition weiter fortführen.

Rüdiger Schmiedel von der deutschlandweiten Stiftung Bären hatte den Kontakt zwischen dem Wildtierpark Gangelt und dem Landratsamt Nordsachsen vermittelt. „Das es nun doch so schnell gehen würde, hätten wir nicht gedacht. Aber der Park hat aus Platzgründen Abnehmer für die beiden Tiere gesucht“, freuen sich die beiden Bärenpflegerinnen. Gegenüber Schmiedel hatten sie den Wunsch nach jungen Bären geäußert, jedoch nicht im Traum daran gedacht, dass es klappen würde, und Torgau tatsächlich die Chance auf zwei Zweijährige bekam Nun aber ist aus dem Wunsch Wirklichkeit geworden. Dass aber einer der Bären den Namen Benno trägt und damit genauso heißt, wie der Vorstandschef der Torgauer Bärenstiftung Benno Kittler, ist blanker Zufall. „Aber ein schöner“, schmunzelt Gabriele Mierau und erzählt, dass es sich bei dem Männchen um ein „frühreifes Kerlchen“ handelt, das natürlich noch kastriert werden müsse. Denn Bären-Nachwuchs wollen die Torgauer auf keinen Fall.

Sehr friedliche Tiere

Den Transport haben beide Tiere gut überstanden. Benno reagierte gut auf die Narkose, die er bekam, um in die Transportbox verladen zu werden. Er wachte auch schnell wieder auf. Bea hatte es ein wenig schwerer. „Sie war hochgradig aufgeregt, benötigte zwei Narkosen“, so die Pflegerinnen. Sie hatten ihren ersten Kontakt zu den Tieren noch im Wildtierpark in Gangelt. „Wir haben gesehen, dass die Tiere friedlich sind, aber auch einigen Schabernack treiben. Und sie reagierten auf den Pfleger. Auf uns natürlich nicht, denn wir sind ja fremd“, sagt Angela Mierau-Fausack zuversichtlich, dass sich die Petze schon bald an sie gewöhnen werden. Wie schnell, das hängt in erster Linie von den Bären ab. „Ich kann mich noch gut an die Anfänge mit Jette erinnern. Bei mir hat es ungefähr ein Dreivierteljahr gedauert, bis sie sich an mich gewöhnt hatte. Bei Angela ging das viel schneller“, erzählt Gabriele Mierau. Und so wollen es die Bärenpflegerinnen ganz ruhig angehen lassen.

Aufgeregte Jette

In den nächsten Tagen bleiben Bea und Benno erst einmal in ihren Ställen, um sich an die neue Unterkunft, das neue Heim, die fremden Gerüche, den geregelten Ablauf – täglich um 18 Uhr wird gefüttert – zu gewöhnen. Zwischenzeitlich wird immer mal wieder der Vollschieber zwischen ihnen und Jette geöffnet – das Gitter bleibt geschlossen –, damit sich die Tiere sehen und beschnuppern können.
Gestern morgen war vor allem Altbärin Jette ziemlich aufgeregt. „Anfangs schnüffelte sie nur, dann scharrte sie mächtig und gab laute Rufe von sich“, erzählt Gabriele Mierau. Während des Einzugs von Bea und Benno blieb Jette in ihrem Stall. Nach dem Aufräumen wurde sie in den Bärengraben gelassen. Den soll sie in Zukunft mit den Neuankömmlingen teilen. „Anfangs werden wir Jette in den großen Bärengraben lassen und die Gitter schließen, wenn wir soweit sind, dass Bea und Benno auch raus können. So sehen sie sich, können sich kennenlernen. Wenn sie, und auch das kann sein, gar nicht miteinander auskommen, dann bleibt die räumliche Trennung. Wenn sie sich verstehen, was wir natürlich inständig hoffen, dann werden die Gitter geöffnet“, beschreibt Angela Mierau-Fausack die Vorgehensweise für die nächsten Wochen. Auch stellt sie in Aussicht, dass der Prozess des Aneinander-Gewöhnens durchaus auch Wochen, wenn nicht Monate dauern kann. Es braucht also Geduld.

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