Nudelsuppe und Fleischbröckchen als Köder

Torgau (ej). Ein wenig zickig sind die beiden Torgauer Bärendamen Jette und Quistel zurzeit. „Die eine ist heiß und die andere kann es nicht mehr werden“, erklärt Bärenpflegerin Gabriele Mierau den Zustand. Der könnte den Umzug der beiden Petze in der vergangenen Woche vielleicht schon ein wenig schwierig gestalten. Doch bis dahin sind es noch sechs Tage, in denen sich die angespannte Situation zwischen den beiden Bärendamen wieder gelegt haben könnte.

Gabriele Mierau und Angela Mierau-Fausack sehen die Sache optimistisch, freuen sich auf den Tag der offiziellen Einweihung des neuen Bärengrabens. „Wenn Landrat Czupalla den Startschuss gibt, öffnen wir den Schieber und locken Quistel als Erste in das neue Gehege“, sagen die Bärenpflegerinnen, die den Ablauf schon ganz genau geplant haben. An erster Stelle steht das Wohl der Tiere, auch oder erst recht bei einem so großen Ereignis wie dem Umzug in das neue Zuhause.

Training seit vier Wochen

In den vergangenen vier Wochen haben sowohl die Pflegerinnen als auch die Bärendamen schon fleißig trainiert. Mehrfach täglich wurden Quistel und Jette dafür an das Gitter in der Mitte des Bärengrabens gelockt. Schließlich soll es am kommenden Mittwoch, dem 21. Mai, ja auch möglichst reibungslos klappen. Um die neuen Zwinger so heimisch, so bärig wie möglich anmuten zu lassen, sammeln die Pflegerinnen zwei Tage zuvor, die von den Bären mit Urin eingenässten Späne und verteilen diese im neuen Stall. So eine Sauerei, könnte man jetzt meinen. Aber nur so kann der Umzug funktionieren. „Es ist wichtig, um den Bärengeruch zu verteilen, damit sich die Bären auch gleich heimisch fühlen und den neuen Stall annehmen“, erklärt Angela Mierau-Fausack. Sie ist es auch, die am kommenden Mittwoch ein Nudelsüppchen für die beiden Bärendamen kocht, diesmal ausnahmsweise auch mit einer Prise Salz. „Das lieben sie. Und da sie mit dieser Art Küche aufgewachsen sind, sie von uns aber eigentlich sonst nicht bekommen, hoffen wir, sie gut locken zu können“, ergänzt Gabriele Mierau. Und damit der Lockstoffe und Tricks nicht genug. Auf dem Weg vom alten Zuhause in den neuen Stall legen die beiden Pflegerinnen eine Spur aus Fleischbrocken, geschnitten so groß wie beim Gulasch. In Abständen von gut drei Metern fällt dann immer mal wieder ein Stück Fleisch zu Boden, um die Bären zu animieren, den Weg in die neuen Ställe auf sich zu nehmen.

Den Anfang macht am nächsten Mittwoch Quistel. Bei ihr haben die beiden Pflegerinnen auch keine Bedenken. „Sie ist sehr ruhig und lässt sich nicht stressen. Erst recht nicht, wenn die Mutti da ist“, erklärt Gabriele Mierau mit einem Blick auf die Kollegin. Deren Stimme kennt Quistel ganz genau, hört sofort, wenn sie ruft, lässt sich von ihr auch beruhigen. „Bei Jette sieht das schon anders aus“, so Angela Mierau-Fausack. Bei ihr vermuten die beiden Pflegerinnen doch ein wenig mehr Probleme. Jette ist sehr schnell gestresst, könne dies aber auch nur schwer wieder ablegen. Deshalb haben die Pflegerinnen am Mittwoch auch die Aufgabe, die beiden Bärinnen, sind die in den neuen Ställen angekommen, zu beruhigen. „Am Donnerstag werden sie dann erst einmal den ganzen Tag drinbleiben. Ab Freitag lassen wir sie für ungefähr eine Woche nur wechselseitig raus, damit jede von ihnen erst einmal allein das neue Gehege erkunden kann“, erklärt Angela Mierau-Fausack. Und zu erkunden gibt es für die Tiere einiges, die Holzstämme, den Geröll-Haufen und auch das Wasserbecken. Das wird erst einmal nur bis zu einer Wasserhöhe von 50 oder 60 Zentimetern gefüllt, damit sich die Tiere, die selbst eine Risthöhe von 70 beziehungsweise 80 Zentimetern haben, daran gewöhnen können.

Endlich warmes Wasser

Und dann ist da ja auch noch der Weidezaun, der vorerst die Bepflanzung vor den Bären schützen soll. Und auf dem ist Strom. Die Pflegerinnen sehen darin aber kein Problem für ihre Bären. „Erstens gibt der Zaun nur einen Stromimpuls. Zweitens wittern die Tiere eigentlich die Gefahr, die von dem Zaun ausgeht. Und drittens, sollten sie doch einmal drangehen, bekommen sie zwar einen kleinen Stromstoß, wissen dann aber, dass sie den Zaun nicht wieder berühren. Erfahrungen in Zoos und in Bärenparks haben gezeigt, dass das nicht so problematisch ist“, sagt Gabriele Mierau. Zudem soll der Zaun spätestens im Frühjahr aus dem Bärengraben verschwinden. Dann sind die Pflanzen stark genug. „Gefährlich“ könnte es lediglich für die Walderdbeeren werden. Denn bei diesen schmecken den Bären nicht nur die Früchte. Auch die Blätter lieben die Petze. „Die Voraussetzungen, dass sich die Bären hier wohlfühlen sind gegeben. Sie haben fast alles, was sie auch in der Natur hätten“, freut sich Gabriele Mierau, die inzwischen seit über zwanzig Jahren als Bärenpflegerin auf Schloss Hartenfels tätig ist. Auch für sie und Kollegin Angela Mierau-Fausack haben sich die Arbeitsbedingungen mit der Schaffung des neuen Bärengeheges verbessert. Es gibt jetzt eine große Küche, einen gesonderten Sanitärtrakt für die Pflegerinnen und das Futter ist direkt am Arbeitsort gelagert. „Und wir haben endlich warmes Wasser“, sagt Gabriele Mierau. Jederzeit würden die beiden jetzt ihren Arbeitsort präsentieren. Und das werden sie auch. Nach dem offiziellen Umzug sind künftig auch Führungen möglich, was bisher wegen der mangelnden Sicherheit nicht der Fall war. Sie fühlen sich wohl auf ihrer neuen Arbeitsstelle. Und so wird es ihrer Meinung nach auch Jette und Quistel gehen. Die Pflegerinnen glauben fest daran, dass der Umzug den beiden Petzen bekommen wird und die beiden die Neuerungen noch viele Jahre genießen können. Fest steht aber schon heute, wenn eine von beiden irgendwann sterben sollte, dann soll es zwei neue Bären geben. „Schon jetzt einen weiteren Bären nach Torgau zu holen, wäre unklug. Das ginge nicht gut, die Bären würden sich nicht verstehen. Wenn aber nur noch eine da ist, gäbe es zwar vielleicht kurz Streit, aber sie würden sich schnell aneinander gewöhnen“, sagt Gabriele Mierau, jedoch fest in dem Glauben, dass die beiden Bärinnen Jette und Quistel – jetzt 26 Jahre jung – noch lange nicht das Zeitliche segnen.

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