Torgauer Bären
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„Geliebter Teddy – Armer Bär“

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Mit diesem etwas provokanten Titel lud der Torgauer Geschichtsverein am vergangenen Mittwoch in die Kurfürstliche Kanzlei ein.

Zu diesem Vortragsabend konnte der Leiter des Alternativen Bärenparks Worbis, Uwe Lagemann, begrüßt werden. Im Vortrag sollte es natürlich auch um die Torgauer Bären und deren Haltung in der Zukunft gehen. Zunächst informierte Herr Lagemann die Besucher über die Beziehung Bär – Mensch und sensibilisierte alle Anwesenden somit für dieses Thema.

Dem Bären ist es wie kaum einem anderen Tier gelungen, schon bei den ersten Menschen und bis in die Gegenwart Sympathie und Aufmerksamkeit zu erzeugen.

So lebten Neandertaler und Indianer friedlich und in Ehrfurcht zusammen mit den Bären.Bärenmenschen und Menschenbären beeinflussten maßgeblich das Zusammenleben der Menschen. Unzählige Sagen und Märchen erzählen vom gutmütigen und gerechten Meister Petz. Der Teddy ist das beliebteste Spielzeug aller Zeiten und als süßes Gummibärchen, bunte Comicfigur und ideales Werbeobjekt sind Bären tagtäglich präsent.

Seine Beliebtheit ist aber auch gleichzeitig sein Fluch. Eingesperrt zum Schauobjekt abgestempelt, als Tanzbär erniedrigt, in kleinsten Käfigen als Gallensaftspender gequält, verstümmelt zum Kampf mit Hunden gezwungen, als Organspender gewildert und jeden Tag in Deutschland als Zirkustier entwürdigt – auch so gehen wir heute noch mit unseren geliebten Bären um. Gleichzeitig zerstören wir seinen ursprünglichen Lebensraum.
Wie paradox und menschlich !

Es wird höchste Zeit, dass wir wie unsere Vorfahren den Bären wieder respektvoll und verantwortungsbewusst begegnen. Dass wir sie sehen, wie sie wirklich sind. Als wilde Tiere mit ausgeprägter Persönlichkeitsstruktur, wehrhaft und gleichzeitig gelassen. Als Jäger und Sammler, als führsorgliche Mütter und den Nachwuchs tötende Väter. Aber vor allem sollten wir dankbar sein, dass so ein wundervolles Tier uns Menschen soviel Toleranz entgegen bringt, dass wir friedlich miteinander leben könnten.

Am Ende des Vortrages folgte eine rege Diskussion über die Perspektive der Bärenhaltung in Torgau. Fazit des Abends war, dass die Bären in Torgau erhalten bleiben sollten, jedoch mit Einschränkungen. Wir leben nun einmal im 21. Jahrhundert mit neuen Bestimmungen zum Arten- und Tierschutz. Tiere können heute nicht mehr wie vor 500 Jahren gehalten werden. Neue Gesetzte sind in Arbeit, die es zum Beispiel den Zirkussen in Zukunft verbieten Bären, Elefanten und Affen zu halten. Was soll mit diesen Tieren dann geschehen? Ein junger Braunbär, im Zirkus geboren und aufgewachsen, hätte in Torgau dann eine gute Zukunft, so die Meinung des Experten.
Drei bis vier Bären im Schlossgraben sind für dien Bärenfachmann Lagemann durchaus vorstellbar. Gegen eine Züchtung von Braunbären in Torgau sprach er sich jedoch vehement aus.

Cornelia König
Museumsleiterin

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