„Die Reform - kein Grund zum Ausruhen“

A. Staude über Hausrecht, Briefe und einen Traum

Torgau (SWB). Torgaus Bürgermeisterin Andrea Staude verrät im SonntagsWochenBlatt-Gespräch ihren Plan, wie sie den Torgauer Bären eine neue Heimstatt verschaffen will.

SWB: Frau Staude, warum treiben Sie nicht mit der Macht Ihres Amtes die Sanierung des Bärengrabens energischer voran?
Andrea Staude:
Weil ich nicht das Hausrecht am Bärengraben besitze. Es ist wie im Privaten, keiner kann ohne das Einverständnis des Nachbarn anfangen, in dessen Garten einfach zu bauen. Der Hausherr von Schloss und Bärengraben ist der Landrat.

In der Torgauer Zeitung war von einem intensiven Briefwechsel zwischen Rathaus und Schloss zu lesen. Sprechen Sie nicht mehr miteinander?
Mündliche Absprachen fanden zur Genüge statt. Die gemeinsame Arbeitsgruppe kam ebenfalls zusammen. Herr Schöpp sicherte mündlich zu, dass er dem Kreistag den Beschluss über die Sanierung des Bärengrabens zur Abstimmung vorlegen werde. Die Zusage ist eingehalten worden, der Kreistag stimmte im vergangenen Jahr für die Sanierung des Bärengrabens.

Der Beschluss ist zwar da, aber kein Beginn der dringend erforderlichen Bauarbeiten erkennbar.
Darum der Briefverkehr. Um die Vorplanung vorantreiben zu können, brauchten wir die Unterschrift des Landrates unter einer Vereinbarung, die die Verwendung der Fördermittel am Schloss regelt. Die Unterschrift des Landrates ist jetzt geleis-tet, der Auftrag an mein Baudezernat ist weitergeleitet, parallel an das Planungsbüro Schubach in Dresden. Schubach kennt die Gegebenheiten des Schlosses gut, betreute er doch bislang die Sanierung des historischen Gemäuers.

Vorplanung klingt nach nichts Konkretem.
Wir brauchen harte Zahlen: Welcher Abriss- bzw. Bauaufwand kommt auf uns zu? Was könnte das Ganze kosten? Und einiges mehr.

Nach Zeitungsberichten trägt die Stadtkasse die Masse der Vorplanungskosten.
In den Kassen des Landratsamtes sieht es noch dürftiger als bei uns aus. Darum kommen vom Landratsamt nur dorthin geflossene Spendengelder. Wir würden 26 000 Euro beisteuern, sollten für die Vorplanung keine Fördermittel fließen.

Gab es da keinen Protest aus den Reihen der Stadträte und der Bürgerschaft, wenn Sie Stadtgelder am Schloss ausgegeben? Man hätte auch anderes in der Stadt damit finanzieren können.
Mir kam kein Einspruch zu Ohren, das Gegenteil ist der Fall. Das Schloss ist nun mal unser stärkster Touristenmagnet und neben dem Rathaus das wichtigste Gebäude. Es ist schon schlimm genug, dass sich das Land nicht zum Sächsischen Residenzschloss bekennt. So nehmen wir die Sache selbst in die Hand.

Mit einer Vorplanung allein wurde noch nie ein Haus gebaut. Wer soll die Sanierung bezahlen?
Wir brauchen viele Geldquellen. Fördermittel aus dem Stadtumbauprogramm, ein Teil der Hochzeitsprämie zur Kreisreform und reichlich Spenden der Bürger und Unternehmen.

Wie sehen die Chancen im Einzelnen aus?
Bei meinen Gesprächen im Innenministerium erfuhr ich wohlwollenden Zuspruch und Unterstützung wurde singnalisiert...

... Sie waren wegen der Bären extra in Dresden?
Auch, nicht nur. 500 Jahre Reformation sollen ebenfalls in Torgau gefeiert werden. Unserer internationalen Bedeutung entsprechend, wollen wir Torgau weiter herausputzen.

Thema Spenden. Was geschieht mit dem Geld aus der Bevölkerung?
Das Geld, was bei uns im Rathaus ein-geht, fließt direkt in die Baumaßnahmen. Die Sanierung des Bärengeheges ist der erste Schritt, um unseren Braunen hier in Torgau das Überleben zu sichern. Die Bärenstiftung, ausgestattet von Torgauer Unternehmen, sammelt für den späteren Unterhalt und die Pflege der Bären, also für den zweiten Schritt.

Für jeden Spender ist es gut zu wissen, was mit seinem Geld geschieht.
Richtig. Ist die Vorplanung abgeschlossen, könnte ich mir gut vorstellen, die Planungsschritte öffentlich zu machen. Am besten gleich am Bärengraben.

Sie wollen dem Landrat und den Kreisräten auf diesem Wege die Verwendung der Hochzeitsprämie schmackhaft machen? Ob jedoch von daher aufgrund der Kreisgebietsreform, der bevorstehenden Wahlen und der Klagedrohung, auch einiger Torgauer Kreisräte, große Unterstützung zu erwarten ist, wage ich zu bezweifeln.
Die Kreisgebietsreform und die Wahlen sind keine Gründe zum Ausruhen! Die Arbeit muss weitergehen, mit umso höherer Intensität sogar, jetzt wo wir per Gesetz der Kreissitz vom neuen Landkreis Nordsachsen sein werden. Was soll uns, der Stadt Torgau und den Bürgern, eine Klage gegen das Gesetz bringen? Die Hochzeitsprämie wird dem Landkreis helfen, den Flügel E zu sanieren. Damit entstünden zusätzliche Räume für die neu dazu kommenden Verwaltungsangestellten und wir könnten nach der unumgänglichen Dachsicherung in der untersten Etage die Bärenunterkünfte als ersten Schritt sanieren.

Und was würde mit dem zurzeit bewohnten Bärenhaus geschehen?
Gebaut wurde das Gebäude Anfang der 50er, also vermutlich nicht mit bestem Marterial. Ein Abriss erscheint unvermeidbar. Meiner Einschätzung nach wohl billiger als eine Rekonstruktion. Während der Bauphase könnten die Bären in den gegenüberliegenden Flügel E ziehen, vorausgesetzt das Dach ist gesichert.

Klingt sehr zuversichtlich, Frau Bürgermeisterin. Wann sehen Sie vor Ihrem geistigen Auge die ersten Jungbären durch den Bärengraben toben?
Lassen Sie uns mal sehr optimistisch sein. 2012 könnte der Traum in Erfüllung gehen. Nageln Sie mich aber nicht auf das Jahr fest. Es ist ein sehr ehrgeiziges Ziel und nicht allein davon abhängig, was im Torgauer Rathaus gedacht und getan wird.

Gespräch: E. Baumbach

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