Nach 24 Jahren ist Schluss
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Nach 24 Jahren ist Schluss

Torgau. Sie sind ein Dreamteam. Gehören zu dem Torgauer Bären-Inventar. Sind regelrechte Ikonen. Und doch hat jede Bilderbuch-Geschichte ein Ende. Nun ist es an der Zeit, dass sich Gabriele und Angela Mierau, zumindestens in beruflichen Wegen, trennen. Nach ganzen 24 Jahren im Dienste der Bärenpflege, oder korrekt definiert als Wildtierpflegerin im Torgauer Bärengehege, steht nun für Angela Mierau die wohlverdiente Rente an. Pünktlich am 31. August 2018 verabschiedet sich die passionierte Tierliebhaberin und schaut mit einem lachenden, jedoch auch mit einem weinenden Auge in die Zukunft.

TZ: Frau Mierau, wie sind Sie damals überhaupt in den Job „hineingeraten“?
Angela Mierau: Das war eher ausversehen. Ich bin Meister in der Rinderzucht in Beckwitz gewesen, bevor ich gefragt wurde, ob ich Gabriele vertreten kann. Sie war schon eine Weile im Job tätig und hatte damals einen Arbeitsunfall. Dieser verursachte einen Krankenhausaufenthalt von ganzen vier Wochen. Die damaligen Hausmeister waren für solch eine Art von Arbeit nicht bereit, zudem war vom TÜV vorgeschrieben, dass mindestens 2 Pfleger eingeteilt  sein müssen. Nachdem die Personalleitung ja gesagt hatte, war ich mittendrin statt nur dabei und wie man sieht, bin ich 24 Jahre geblieben.

Sagen Sie jetzt, genau das war mein Traumjob?
Oh nein, ganz und gar nicht. Ich erinnere mich noch genau daran, wie mir mein Großvater als Kind ein Foto von den Torgauer Bären gezeigt hatte. Ich hätte nie im Leben daran gedacht, in diesen Beruf zu landen. Und jetzt muss ich aber auch ehrlich sagen, ich bin froh es gemacht zu haben. Die 24 Jahre waren wunderschön! Mein ganzes Leben hat sich auf den Beruf und die Bären eingestellt, der komplette Tagesrhythmus ist perfekt abgestimmt. Dass das jetzt nicht mehr so sein wird, daran muss ich erst einmal gewöhnen.

Was hat Sie in diesem Job glücklich gemacht?
Da ich generell ein Tierliebhaber bin, hat mir besonders die Arbeit und Nähe mit den Bären unheimlich viel Freude bereitet. Außenstehende sehen das sicher nicht, aber die Tiere geben einem so viel zurück. Auch wenn Kuscheln überhaupt nicht drin ist, aber das macht nichts. Ich habe eine Art Kommunikation mit den Petzen aufgebaut, die immer einwandfrei funktioniert hat. Als Bea und Benno 2015 zu uns kamen, war meine Stimme die erste, die Benno hörte. Seitdem haben wir eine ganz besondere Verbindung zueinander.

Erinnern Sie sich an einen ganz besonderen Moment zurück?
Es gibt so viele einzigartige Momente mit den Bären, die tatsächlich tagtäglich passieren. In jeder Sekunde geschieht etwas Neues. Erst letztens haben wir Benno einfach nicht in den Stall bekommen, weil er unbedingt einen Abstecher in Jettes Wasserstelle machen musste. Darüber lachen wir dann einfach. Traurige Momente gab es natürlich auch. Die Tode von ehemaligen Bären, wie Maja, Monika und Quistel, haben mir schon zugesetzt. Aber das gehört eben auch dazu.

Die Umstellung auf das Rentenleben wird sicher ungewohnt. Haben Sie schon Pläne für die Zeit?
Ich freue mich auf Ruhe. Und den Winter, weil ich in dieser Jahreszeit dann nicht mehr so zeitig aus dem Haus muss. Ich freue mich auf viele Treffen mit meinen Mädels und auf mein Lieblingshobby, das Lesen. Es wird Zeit, sich mal um sich selbst zu kümmern.

Viele fragen sich jetzt sicher: Wer übernimmt Ihren Platz?
Es werden zwei neue Kollegen in Schichten arbeiten. Aktuell befinden sich diese im Praktikum in Leipzig. Zu meiner Verabschiedung am 22. August  um 10 Uhr im Schlosscafé in Torgau werden sie dann offiziell vorgestellt, dort gibt es dann auch mehr Informationen.

Wie oft werden Sie Vorbeikommen, um zu checken, ob alles funktioniert?
Ich persönlich nehme mir vor, das erste halbe Jahr definitiv nicht vorbeizugucken, da setze ich Prioritäten. Ich möchte die neuen Kollegen nicht verunsichern und dank Gabi erhalte ich ja sowieso alle Infos aus erster Hand. Aber eins ist sicher, wenn die Zeit reif ist, komme ich auf jeden fall vorbei!

 

Gespräch: Frances Wendt

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