Chemnitzer wünscht sich Bärenhochzeit

Torgau/Chemnitz (TZ). Für Chemnitzer muss es nicht wirklich schwer sein, Torgau schöner zu finden, als die eigene Heimatstadt. Was wohl auch daran liegt, dass die Großstadt im Süden Sachsens kein wirklicher Augenschmaus ist. Dass die Chemnitzer nun auch schon an die Elbe kommen, um sich hier trauen zu lassen, ist neu …

… und doch Realität: Am 8. August werden sich Jürgen Kurzbach und Monika Könnecke in der Kreisstadt das Ja-Wort geben.

Geld verfüttert

Der Grund ist kuschelig weich und hat vier Pfoten. Die beiden Chemnitzer sind Fans der Torgauer Bären. Seit Jahren spenden sie immer wieder für die Petze im Schlossgraben, inzwischen läuft ein Dauerauftrag für die Bärenstiftung. „Ich habe noch lebhafte Kindheitserinnerungen an die kleinen Bären“, erzählt der Mittfünfziger, der aus Torgau stammt. Damals habe er die Jungen auf dem Schlosshof beim Spiele beobachtet. „Mein Kindergarten war ganz in der Nähe des Schlosses. Eines Tages hatte die Erzieherin Geld auf dem Tisch liegen. Das habe ich mir geschnappt und an die Bären verfüttert“, berichtet Jürgen Kurzbach, dem die Petze schon dazumal einiges Wert waren. Wobei anzunehmen ist, dass die Bären weniger Spaß an der monetären Gabe hatten als an den Leckereiene, die die Pfleger dafür springen ließen.

Als er 13 Jahre alt war, wurde die Beziehung Kurzbachs zu seinen „Teddys“, wie er sie liebevoll nennt, jäh entzweit. „Mein Vater wechselte seinen Arbeitsort. Da musste die Familie mit.“ Seither ist Torgau nur noch die Heimat seines Herzens, in die der gelernte Zimmermann so oft zurück kommt, wie es Geld und Zeit erlauben. „Hätte meine zukünftige Frau nicht einen krisenfesten Job, wir wären längst nach Torgau gezogen“, mach er klar, dass ihn nicht viel in Chemnitz hält.

Bis auf den Fußball vielleicht. Denn in dieser Beziehung ist Jürgen Kurzbach kein Unbekannter im Randerzgebirge. Beim Chemnitzer FC ist er derjenige, der die Fans mit Trommelklängen einpeitscht. „Das mache ich jetzt seit der Wende.“ Ein Sponsor hat ihm sogar extra einen Stuhl gebaut: auf den Rand des Zauns zwischen Zuschauertribüne und Spielfeld. Doch auch beim Fußball war die alte Heimat oft nur einen Sprint entfernt. Denn in dem Jahr, als die Chemnitzer in die 2. Bundesliga aufstiege, spielte beim CFC ein gewisser Ronny Kujat. Natürlich kamen beide ins Gespräch und natürlich sprachen beide über ihre gemeinsame Geburtsstadt Torgau. Vielleicht war dabei auch der Weihnachtsmarkt ein Thema. Den finden Kurzbach und seine Lebensgefährtin einfach „klein und niedlich. Nicht so wie die großen Märkte in Leipzig oder Dresden, wo es nur ums Einkaufen geht.“ Kujat ist lange weg aus Chemnitz, Jürgen Kurzbach wird wohl noch eine Weile dort bleiben.

Teddys im Netz

Doch zum Glück gibt es neben asphaltierten Straßen auch die Datenautobahn. Im Internet sind Jürgen Kurzbach und Bald-Ehefrau Monika Könnecke oft auf Torgauer Internetseiten unterwegs. Dort stießen sie auch auf die Bärenstiftung. Für beide ist es eine Herzensangelegenheit, am Erhalt der Torgauer Bärentradition mitzuwirken. Eine Herzensangelegenheit ist es für den Ex-Torgauer Jürgen Kurzbach auch, sich an der Elbe trauen zu lassen. „Dieser Tag soll etwas besonderes werden“, wünscht er sich. Und die Torgauer Bärenmütter wollen dazu beitragen, indem sie das frisch getraute Paar ganz nah an die Bären heranbringen. Ein Hochzeitsfoto mit den Teddys - für die Chemnitzer ein absoluter Traum. Die Hochzeitsreise führt das Paar allerdings weg von der Elbe. „Freunde haben uns nach Belgien eingeladen, das ist eine sehr preisgünstige Variante“, freut sich der Hartz-IV-Empfänger. Gemeinsam mit Monika Könnecke kommt er bis dahin mindestens noch zwei mal nach Torgau. Die Formalitäten auf dem Standesamt stehen noch aus. "Außerdem haben wir durchgesetzt, dass der Wandertag unserer Kirchgemeinde in diesem Jahr Torgau zum Ziel hat", freut sich Jürgen Kurzbach. Am 4. Juni reist die Gruppe an.

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